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Oberdorla - Teil 8

Wie immer könnt ihr das Gästebuch für einen Kommentar an Karl nutzen.

3. Januar 2005
 

Geständnisse eines Fetischisten

Karl arbeitete in einem Wohltätigkeitsverein. Dazu gehörte auch eine Kleiderkammer auf dem Grundstück. Er musste mit ansehen wie am Tag duzende Lumpensäcke über den Hof bewegt wurden um sie zu sortieren. Man kann sich vorstellen wie nervös es ihn machte an dieser Sortiererei nicht Teil haben zu dürfen. Öfters ging er zu den Sortiererinnen und fing mit ihnen einen freundlichen Plausch an. Dabei konnte er gut mitverfolgen was aus den Säcken hervorkam und zu den Altkleidern oder Lumpen geworfen wurde. Das wäre sicher eine paradiesische Arbeitsstelle für ihn selbst gewesen.
Plötzlich erkannte er auf der Lumpenseite in einem Sack, eine Tüte, in der Miederhöschen zu stecken schienen. Seit langem mal ein Erfolg. Er merkte seine Erregung, beendete die Unterhaltung, griff sich drei Säcke, und verließ den Ort mit den Worten: "Ich kann ihnen ja auch mal helfen und ein paar Säcke mit herüber in den Verschlag nehmen." -"Aber gerne, solche Helfer haben wir selten!" In dem Verschlag, in dem die aussortierten Lumpen lagen, griff Karl sich die Tüte mit den Miederhöschen und untersuchte eiligst auch ein paar der anderen Säcke. In seinem Büro konnte er erfreut fest stellen, dass sich in der Tüte fünf sehr gut erhaltene und seltene Miederhöschen befanden. Welch Graus, wären die im Reißwolf gelandet.

Wenn er Nachtschicht hatte und alles zu schlafen schien, stieg Karl voller Erregung in den Verschlag und inspizierte die Säcke. Die Ausbeute war meistens mehr als dürftig. Jede Menge Büstenhalter und Schlüpfer, selten mal eine Miederhose und wenn er gar einen Hüfthalter fand, war das ein Glückstag. Ihn interessierten ja nur Hüfthalter und Miederhöschen, aber die Sortiererinnen entnahmen wahrscheinlich auch das Verwertbare für sich. Er fragte sie, wo die aussortierten Textilien denn hin gebracht würden. Man sagte ihm, in das Sortierwerk Oberdorla. Wenn Karl auch sonst oft vergesslich war, aber diesen Ort behielt er im Kopf und schaute zu Hause im Straßenatlas nach, wie man da hin gelangt.

Karl hatte einen Tag frei und so machte er sich zu dem verheißungsvollen Ort auf den Weg. Vor Aufregung hatte er kaum Schlaf gefunden und auch beim Fahren ging er gedanklich immer wieder durch, wie er vorgehen wollte. In dem kleinen Ort hatte er bald das Werk gefunden. Er fuhr erst zweimal daran vorbei um die Gegebenheiten zu sondieren. Dann stand er auf dem Parkplatz am Werk und sah ein Schild mit dem Verweis auf einen Secand Hand Shop. Er folgte der Aufforderung und gelangte in einen Laden, der voller Klamotten war und in dem ein Geruch von Lumpen und Mottenkugeln vorherrschte. Dieser Geruch war Karl noch vertraut aus der Kindheit und aus dem Kleiderschrank seiner Oma. Er begrüßte freundlich die Verkäuferin, nahm einen Blick in der Runde und steuerte gezielt auf die Wühltische in der Mitte des Ladens zu. Schnell hatte er gefunden, was sein Begehren war. Karl stand vor einem viergeteilten Wühltisch der mit Schlüpfern, Unterröcken und BHs, sowie Korseletts, Miederhosen und herrlichen Hüfthaltern gefüllt war.
Karl merkte wie ihm das Blut in die Glieder schoss - cool bleiben!
Er suchte sich die wertvollsten Stücke aus und nahm alle Hüfthalter, die sogar noch die Originalpreisschilder trugen, mit an die Kasse. Die Verkäuferin war begeistert so viel Ware los zu werden und gab ihm auf die ohnehin nur 3 - 5 DM teuren Stücke noch einen Rabatt. Er dankte und brachte die Miederwaren in sein Auto. Dann nahm er allen Mut zusammen und betrat das Büro.

"Guten Tag, mein Name ist Karl! Ich bin an Miederwaren, also speziell Hüfthaltern und Miederhosen interessiert. Kann ich mir bei ihnen da etwas heraussuchen?" Der Chef schielte etwas misstrauisch über seinen goldenen Brillenrand und musterte Karl von oben bis unten. Nach einer Weile der Spannung sagte er: "Na dann kommen sie mal mit!" Karl war erst sehr verunsichert, aber als er in den Sortierraum gelangte, wichen die Ängste der Begeisterung. Ein großer Raum gefüllt mit Wagen auf denen Berge von Textilien lagen, ein Meer voller bunter Stoffe und Säcke, so dass sich das Auge kaum zurecht fand.
Karl blieb überwältigt stehen. Der Chef redete kurz mit einer recht attraktiven Frau. Dann kamen beide auf Karl zu. "Das ist Frau S., die zeigt ihnen, wo sie was finden, Kilopreis... Wenn sie haben was sie suchen lassen sie es von Frau S. abwiegen und bezahlen im Büro! Na dann suchen sie mal!" - "Hier sind erst einmal zwei Wagen. Und was suchen sie?" - "Ich suche Miederhosen und Hüfthalter aus Stoff und Syntetix." - "Wenn sie die durchgesehen haben kann ich ihnen noch einen Wagen zeigen, wo Atlasseide drin ist und dann habe ich noch einen Sack mit sehr gut erhaltenen Sachen, da dürfen sie auch mal hinein schauen. Ich bin dann da hinten zu finden."

Karl stand vor einem hüfthohen holzbeplankten Wagen, 2 x 1m in den Ausmaßen und dieser war gut gefüllt mit Bade- und Miederwäsche. Er begann die Sachen in einen anderen leeren Wagen umzuschichten. Hunderte von Büstenhaltern, Radlerhosen, Badebekleidung und dazwischen immer wieder Miederhosen mit langen Beinen, kurze Miederhöschen, Hüfthalter, zarte Strapse, Korseletts, Bodys und die ersehnten Strumpfhaltergürtel. Alles, vielleicht von Frauen die ihrer Mieder überdrüssig, diese voll Wonne in den Altkleidersack gestopft hatten und sich sicher waren, dass der Reißwolf oder die Müllverbrennungsanlage sie frist. Auch waren Teile aus DDR-Produktion darunter, die wie ungetragen erschienen. Bestimmt hatten sie die Erben aus vergessenen Kommodenwinkeln hervorgeholt und nach erfolgter Durchsuchung nach Barem achtlos weggeschmissen. Karl dachte nur wie gut es sei, dass die Feuerstätten aus den meisten Haushalten verschwunden waren.
Gern getragene mehrfach geflickte und ausgeleierte Lumpen fanden sich neben Miederhöschen "feiner Damen", die sich ihrer entledigt hatten, weil ein winziges Stück Naht offen war. Hüfthalter mit abgeschnittenen Strumpfhaltern neben schwarzen Korseletts, Miederhosen mit heraus geschnittenem Zwickel, oder Loch im Zwickel, waren sogar vertreten.
Ein Schlaraffenland für Fetischisten.

Karl war überfordert, er konnte doch nicht alle Schiffbrüchigen ins rettende Boot zerren. So nahm er alles was als DDR-Produktion unwiederbringlich schien, sowie besonders schöne, seltene oder geile Stücke. Am liebsten hätte er sich mit all diesen Miedern überschütten lassen. Noch interessanter war der Wagen mit der Atlasseide. Glänzende schwarze, weiße oder rosa Strumpfhaltergürtel, nach guter alter Machart, zwischen ohrtopethischen Leibbinden und farbigen Büstenhaltern aus Stoff. Karl war sprachlos, dass er so etwas hier noch finden konnte. Hätte er doch schon Jahre zuvor diesen Schritt gewagt.
"Na, sie haben ja doch ganz schön was gefunden. Das hat sich ja gelohnt!" Frau S. fertigte Karl ab und sagte ihm er solle sie das nächste mal direkt anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. Er sei nicht der Einzigste, der solche Dinge suche und man wolle immer nur einen Besucher.

Karl fuhr mit einem Beutel Second Hand Ware und 16Kg "sündiger Lumpen" nach Hause. Unterwegs musste er seiner Erregung Abhilfe verschaffen, die Aktion hatte ihn doch zu sehr in Rage gebracht.
Zu Hause waren mehrere Waschtage erforderlich und die Katalogisierung nahm viel Zeit in Anspruch, aber Karl wusste er kommt spätestens in einem viertel Jahr wieder!

Die folgenden Besuche in Oberdorla waren für Karl schon der Wühlerei wegen ein Genuss. Er fand aber auch immer wieder neues Altes. Man kannte ihn und er plauderte ungeniert an den Sortiertischen. Eine Frau, welche die Miederendsortierung vor nahm, hatte ihm sogar schon Gürtel bei Seite gelegt. Frau S. sagte: "Von diesem Gitterboxrolli lassen sie aber die Finger, da hat der Chef die Hand darauf!" Dann ging sie mit den Worten, sie hatte sicher ein Herz für Karl: "Ich gehe jetzt erst einmal Kaffee kochen." Karl schielte in den halbgefüllten Rolli. In ihm lagen wunderschöne Korseletts, BHs und dazwischen erkannte er super geile Strumpfhaltergürtel. Der Rolli ließ sich nicht öffnen und so fingerte Karl durch das Gitter um die sündigen Strumpfmieder heraus zu ziehen, was ihm auch gelang. Er wickelte sie in eine Miederhose und begrub sie auf dem Grund seines Beutels. Sicher waren die für einen Geschäftemacher bestimmt, der bei eaby seine Mark auf dem Rücken der Süchtigen machen wollte.
Karl hatte ganz staubige Schuhe bekommen. Er griff noch einmal in den Wagen und zerrte eine alte schwarze Miederhose hervor. Bei allem Überfluss bereitete es ihm ein geiles Vergnügen, sich damit den Staub von den Schuhen zu wischen. Er hatte sie schon zurück zu den Lumpen geworfen, aber seine Gefühle übermannten ihn, er konnte sie da nicht zurück lassen und er steckte sie doch noch ein.

Als Karl das letzte Mal in Oberdorla an rief und Frau S. verlangte sagte ihm der Junior: "Die ist nicht da." - "Hat sie Urlaub und wann machen sie denn Betriebsurlaub?" - "Gar nicht mehr, der Betreib ist Pleite, geschlossen für immer, die Sortiertische sind leer! Tut mir leid, auf Wiederhören!" Karl erfuhr noch, dass er wieder einmal eine Woche zu spät gekommen war.
Der Umstand beschäftigte ihn noch Tage und er war voller Trauer, es war ihm, als wenn jemand gestorben war.

In der Zwischenzeit ist Karl ab und zu Kunde in anderen Sortierwerken, bei Trödlern und in Gebrauchtwarenhäusern. Und auch wenn er mit der Weile mehr auf Klasse, als auf Masse setzt, dauert es ihn manchmal um einzelne verstoßene Stücke so, dass er sie nicht weiter einem ungewissen Schicksal überlassen kann und doch mit nimmt…


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