Geständnisse eines Fetischisten
Karl arbeitete in einem Wohltätigkeitsverein.
Dazu gehörte auch eine Kleiderkammer auf dem Grundstück.
Er musste mit ansehen wie am Tag duzende Lumpensäcke
über den Hof bewegt wurden um sie zu sortieren.
Man kann sich vorstellen wie nervös es ihn machte
an dieser Sortiererei nicht Teil haben zu dürfen.
Öfters ging er zu den Sortiererinnen und fing mit
ihnen einen freundlichen Plausch an. Dabei konnte er
gut mitverfolgen was aus den Säcken hervorkam und
zu den Altkleidern oder Lumpen geworfen wurde. Das wäre
sicher eine paradiesische Arbeitsstelle für ihn
selbst gewesen. Plötzlich erkannte er auf
der Lumpenseite in einem Sack, eine Tüte, in der
Miederhöschen zu stecken schienen. Seit langem
mal ein Erfolg. Er merkte seine Erregung, beendete die
Unterhaltung, griff sich drei Säcke, und verließ
den Ort mit den Worten: "Ich kann ihnen ja auch
mal helfen und ein paar Säcke mit herüber
in den Verschlag nehmen." -"Aber gerne, solche
Helfer haben wir selten!" In dem Verschlag, in
dem die aussortierten Lumpen lagen, griff Karl sich
die Tüte mit den Miederhöschen und untersuchte
eiligst auch ein paar der anderen Säcke. In seinem
Büro konnte er erfreut fest stellen, dass sich
in der Tüte fünf sehr gut erhaltene und seltene
Miederhöschen befanden. Welch Graus, wären
die im Reißwolf gelandet.
Wenn er Nachtschicht hatte und alles
zu schlafen schien, stieg Karl voller Erregung in den
Verschlag und inspizierte die Säcke. Die Ausbeute
war meistens mehr als dürftig. Jede Menge Büstenhalter
und Schlüpfer, selten mal eine Miederhose und wenn
er gar einen Hüfthalter fand, war das ein Glückstag.
Ihn interessierten ja nur Hüfthalter und Miederhöschen,
aber die Sortiererinnen entnahmen wahrscheinlich auch
das Verwertbare für sich. Er fragte sie, wo die
aussortierten Textilien denn hin gebracht würden.
Man sagte ihm, in das Sortierwerk Oberdorla. Wenn Karl
auch sonst oft vergesslich war, aber diesen Ort behielt
er im Kopf und schaute zu Hause im Straßenatlas
nach, wie man da hin gelangt.
Karl hatte einen Tag frei und so machte
er sich zu dem verheißungsvollen Ort auf den Weg.
Vor Aufregung hatte er kaum Schlaf gefunden und auch
beim Fahren ging er gedanklich immer wieder durch, wie
er vorgehen wollte. In dem kleinen Ort hatte er bald
das Werk gefunden. Er fuhr erst zweimal daran vorbei
um die Gegebenheiten zu sondieren. Dann stand er auf
dem Parkplatz am Werk und sah ein Schild mit dem Verweis
auf einen Secand Hand Shop. Er folgte der Aufforderung
und gelangte in einen Laden, der voller Klamotten war
und in dem ein Geruch von Lumpen und Mottenkugeln vorherrschte.
Dieser Geruch war Karl noch vertraut aus der Kindheit
und aus dem Kleiderschrank seiner Oma. Er begrüßte
freundlich die Verkäuferin, nahm einen Blick in
der Runde und steuerte gezielt auf die Wühltische
in der Mitte des Ladens zu. Schnell hatte er gefunden,
was sein Begehren war. Karl stand vor einem viergeteilten
Wühltisch der mit Schlüpfern, Unterröcken
und BHs, sowie Korseletts, Miederhosen und herrlichen
Hüfthaltern gefüllt war. Karl merkte
wie ihm das Blut in die Glieder schoss - cool bleiben!
Er suchte sich die wertvollsten Stücke aus und
nahm alle Hüfthalter, die sogar noch die Originalpreisschilder
trugen, mit an die Kasse. Die Verkäuferin war begeistert
so viel Ware los zu werden und gab ihm auf die ohnehin
nur 3 - 5 DM teuren Stücke noch einen Rabatt. Er
dankte und brachte die Miederwaren in sein Auto. Dann
nahm er allen Mut zusammen und betrat das Büro.
"Guten Tag, mein Name ist Karl!
Ich bin an Miederwaren, also speziell Hüfthaltern
und Miederhosen interessiert. Kann ich mir bei ihnen
da etwas heraussuchen?" Der Chef schielte etwas
misstrauisch über seinen goldenen Brillenrand und
musterte Karl von oben bis unten. Nach einer Weile der
Spannung sagte er: "Na dann kommen sie mal mit!"
Karl war erst sehr verunsichert, aber als er in den
Sortierraum gelangte, wichen die Ängste der Begeisterung.
Ein großer Raum gefüllt mit Wagen auf denen
Berge von Textilien lagen, ein Meer voller bunter Stoffe
und Säcke, so dass sich das Auge kaum zurecht fand.
Karl blieb überwältigt stehen. Der Chef
redete kurz mit einer recht attraktiven Frau. Dann kamen
beide auf Karl zu. "Das ist Frau S., die zeigt
ihnen, wo sie was finden, Kilopreis... Wenn sie haben
was sie suchen lassen sie es von Frau S. abwiegen und
bezahlen im Büro! Na dann suchen sie mal!"
- "Hier sind erst einmal zwei Wagen. Und was suchen
sie?" - "Ich suche Miederhosen und Hüfthalter
aus Stoff und Syntetix." - "Wenn sie die durchgesehen
haben kann ich ihnen noch einen Wagen zeigen, wo Atlasseide
drin ist und dann habe ich noch einen Sack mit sehr
gut erhaltenen Sachen, da dürfen sie auch mal hinein
schauen. Ich bin dann da hinten zu finden."
Karl stand vor einem hüfthohen
holzbeplankten Wagen, 2 x 1m in den Ausmaßen und
dieser war gut gefüllt mit Bade- und Miederwäsche.
Er begann die Sachen in einen anderen leeren Wagen umzuschichten.
Hunderte von Büstenhaltern, Radlerhosen, Badebekleidung
und dazwischen immer wieder Miederhosen mit langen Beinen,
kurze Miederhöschen, Hüfthalter, zarte Strapse,
Korseletts, Bodys und die ersehnten Strumpfhaltergürtel.
Alles, vielleicht von Frauen die ihrer Mieder überdrüssig,
diese voll Wonne in den Altkleidersack gestopft hatten
und sich sicher waren, dass der Reißwolf oder
die Müllverbrennungsanlage sie frist. Auch waren
Teile aus DDR-Produktion darunter, die wie ungetragen
erschienen. Bestimmt hatten sie die Erben aus vergessenen
Kommodenwinkeln hervorgeholt und nach erfolgter Durchsuchung
nach Barem achtlos weggeschmissen. Karl dachte nur wie
gut es sei, dass die Feuerstätten aus den meisten
Haushalten verschwunden waren. Gern getragene mehrfach
geflickte und ausgeleierte Lumpen fanden sich neben
Miederhöschen "feiner Damen", die sich
ihrer entledigt hatten, weil ein winziges Stück
Naht offen war. Hüfthalter mit abgeschnittenen
Strumpfhaltern neben schwarzen Korseletts, Miederhosen
mit heraus geschnittenem Zwickel, oder Loch im Zwickel,
waren sogar vertreten. Ein Schlaraffenland für
Fetischisten.
Karl war überfordert, er konnte
doch nicht alle Schiffbrüchigen ins rettende Boot
zerren. So nahm er alles was als DDR-Produktion unwiederbringlich
schien, sowie besonders schöne, seltene oder geile
Stücke. Am liebsten hätte er sich mit all
diesen Miedern überschütten lassen. Noch interessanter
war der Wagen mit der Atlasseide. Glänzende schwarze,
weiße oder rosa Strumpfhaltergürtel, nach
guter alter Machart, zwischen ohrtopethischen Leibbinden
und farbigen Büstenhaltern aus Stoff. Karl war
sprachlos, dass er so etwas hier noch finden konnte.
Hätte er doch schon Jahre zuvor diesen Schritt
gewagt. "Na, sie haben ja doch ganz schön
was gefunden. Das hat sich ja gelohnt!" Frau S.
fertigte Karl ab und sagte ihm er solle sie das nächste
mal direkt anrufen, um einen Termin zu vereinbaren.
Er sei nicht der Einzigste, der solche Dinge suche und
man wolle immer nur einen Besucher.
Karl fuhr mit einem Beutel Second
Hand Ware und 16Kg "sündiger Lumpen"
nach Hause. Unterwegs musste er seiner Erregung Abhilfe
verschaffen, die Aktion hatte ihn doch zu sehr in Rage
gebracht. Zu Hause waren mehrere Waschtage erforderlich
und die Katalogisierung nahm viel Zeit in Anspruch,
aber Karl wusste er kommt spätestens in einem viertel
Jahr wieder!
Die folgenden Besuche in Oberdorla
waren für Karl schon der Wühlerei wegen ein
Genuss. Er fand aber auch immer wieder neues Altes.
Man kannte ihn und er plauderte ungeniert an den Sortiertischen.
Eine Frau, welche die Miederendsortierung vor nahm,
hatte ihm sogar schon Gürtel bei Seite gelegt.
Frau S. sagte: "Von diesem Gitterboxrolli lassen
sie aber die Finger, da hat der Chef die Hand darauf!"
Dann ging sie mit den Worten, sie hatte sicher ein Herz
für Karl: "Ich gehe jetzt erst einmal Kaffee
kochen." Karl schielte in den halbgefüllten
Rolli. In ihm lagen wunderschöne Korseletts, BHs
und dazwischen erkannte er super geile Strumpfhaltergürtel.
Der Rolli ließ sich nicht öffnen und so fingerte
Karl durch das Gitter um die sündigen Strumpfmieder
heraus zu ziehen, was ihm auch gelang. Er wickelte sie
in eine Miederhose und begrub sie auf dem Grund seines
Beutels. Sicher waren die für einen Geschäftemacher
bestimmt, der bei eaby seine Mark auf dem Rücken
der Süchtigen machen wollte. Karl hatte ganz
staubige Schuhe bekommen. Er griff noch einmal in den
Wagen und zerrte eine alte schwarze Miederhose hervor.
Bei allem Überfluss bereitete es ihm ein geiles
Vergnügen, sich damit den Staub von den Schuhen
zu wischen. Er hatte sie schon zurück zu den Lumpen
geworfen, aber seine Gefühle übermannten ihn,
er konnte sie da nicht zurück lassen und er steckte
sie doch noch ein.
Als Karl das letzte Mal in Oberdorla
an rief und Frau S. verlangte sagte ihm der Junior:
"Die ist nicht da." - "Hat sie Urlaub
und wann machen sie denn Betriebsurlaub?" - "Gar
nicht mehr, der Betreib ist Pleite, geschlossen für
immer, die Sortiertische sind leer! Tut mir leid, auf
Wiederhören!" Karl erfuhr noch, dass er wieder
einmal eine Woche zu spät gekommen war. Der
Umstand beschäftigte ihn noch Tage und er war voller
Trauer, es war ihm, als wenn jemand gestorben war.
In der Zwischenzeit ist Karl ab und
zu Kunde in anderen Sortierwerken, bei Trödlern
und in Gebrauchtwarenhäusern. Und auch wenn er
mit der Weile mehr auf Klasse, als auf Masse setzt,
dauert es ihn manchmal um einzelne verstoßene
Stücke so, dass er sie nicht weiter einem ungewissen
Schicksal überlassen kann und doch mit nimmt…
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